As Print goes by – Die Druckindustrie in der Krise
Verlage klagen ja bekanntlich frühzeitig und vor allem sehr laut, wenn es rückläufige Absatzzahlen geht. Jetzt sind sie allerdings längst nicht mehr die einzigen, die einen Personalabbau planen. Auch Vorzeige-Unternehmen wie Heidelberger Druckmaschinen Hersteller sehen pessimistische in die Zukunft.
Ihr als treue Leser meines Blogs werdet es wahrscheinlich nicht wissen, aber ich bin gelernter Offsetdrucker und habe 15 Jahre als Betriebsleiter in Druckereien gearbeitet. Ich fühle mich der Druckindustrie natürlich immer noch sehr verbunden und leide dementsprechend mit, wenn ich solche Berichte lesen muss.
Ich persönlich habe mich allerdings schon im Jahre 2000 intensiv mit anderen Bereichen beschäftigt, denn ich habe schon damals grosse Probleme auf die Druckindustrie zukommen sehen. Schuld daran waren natürlich die PC`s und die damit einkehrende Digitalisierung. Jeder private Anwender war plötzlich theoretisch dazu in der Lage seine Drucksachen selbst herzustellen, zumindest wurde es ihm durch die Presse suggeriert.
Ganze Berufe wurden dann nach und nach überflüssig gemacht. Ein Schriftsetzer wurde plötzlich kaum noch gebraucht, die Gesetze der Typographie wurden schliesslich völlig ausser acht gelassen. Jeder mischte willkürlich jede Schrift mit einer anderen und irgendwann hat es keinen mehr interessiert.
Drucker brauchten plötzlich kein besonderes Gefühl mehr für Farben, das regeln die Maschinen von selbst. Dazu sollte ich vielleicht erwähnen, dass man vor gar nicht langer Zeit 4-farbige Prospekte auch auf einer 1-Farben Maschine gedruckt hat. Das heisst, dass der Drucker für die erste gedruckte Grundfarbe wie z.B. Cyan so viel Gefühl haben musste, dass das fertige Druckergebnis dann auch genauso aussah wie der Kunde es wünschte. Hat er zu wenig Cyan an einigen Stellen gedruckt, so würde der grasgrüne Rasen dann später auch eher wie verbrannt aussehen, denn ein gedruckter Rasen wird hauptsächlich mit Cyan und Yellow gedruckt. Jetzt braucht man für solche Anforderungen natürlich kaum noch Feingefühl. Vielleicht wird es bald gar nicht mehr nötig sein 3 Jahre dafür zu lernen.
Die Fehler der Druckindustrie
Es gäbe von diesem Beispiel sicherlich noch einige die die selbe Sprache sprechen und dennoch nichts am Ergebnis ändern. Was aber hat die Druckindustrie falsch gemacht? Da gibt es meiner Meinung nach diverse Gründe die ich nachfolgend einmal aufzähle. Das Schlimme daran ist allerdings, dass die meisten Unternehmen immer noch auf einem viel zu hohen Ross sitzen.
Verwaltung
Das Problem ist nicht nur in der Druckindustrie anzutreffen, aber durchaus typisch. Bittet ein Kunde um ein Angebot, dann richtet er das natürlich nicht nur an eine Druckerei. Er fragt mindestens 3 Druckereien an (manchmal sogar 5 oder mehr) und entscheidet sich oft natürlich für den günstigen. Es werden also 3 Kalkulationen erstellt, die meistens sogar noch 5 verschiedene Variationen auswerfen. Bevor ein Kunde also sein Geld zum Kunden tragen kann sind nicht selten schon Stunden an Arbeit investiert worden. Hätte sich die Druckindustrie darauf einigen können für Kalkulationen Geld zu verlangen, wären nicht nur die Erträge besser gewesen, sie hätten zudem auch noch bessere Preise machen können. Da Einigkeit natürlich auch in diesem Gewerbe so gut wie unmöglich ist, war das grosse Hauen und Stechen um jeden einzelnen Kunden das Ergebnis.
Auch hier hat kaum ein Unternehmen den Mut gehabt Preislisten zu erarbeiten oder gar Online Kalkulatoren erstellen zu lassen. Als Grund wurde mir immer angegeben, dass dadurch auch der Wettbewerb die Preise kennen würde.
Sortiment
Wenn ein Kunde Werbung machen möchte, dann bleibt es meist nicht bei der Printwerbung. Auch Fahrzeugbeschriftungen oder Onlinepräsentationen werden oft gebraucht. Leider haben auch hier viele Druckereien die Trends nicht erkannt und das Geld den Wettbewerb verdienen lassen.
Bedarf
Auch der Bedarf der Kunden hat sich stark verändert. Kunden präsentieren sich heute immer mehr ausschliesslich online. Kontaktdaten werden zunehmend online oder mobil ausgetauscht. Eine klassisch gedruckte Visitenkarte gehört immer weniger zu den “Must Have´s” eines Kunden. Wenn er dann tatsächlich noch eine Visitenkarte brauchen sollte, dann bekommt er sie für ein paar Euro in einem der vielen Online Druckereien.
Imagebroschüren, Prospekte, Flyer sind alles Werbemittel die immer aufwändig und in grösseren Mengen produziert worden sind. Die Informationen die diese Drucksachen bereitstellen sind ab dem Druck aber schon wieder so alt, dass sie schon wieder erneuert werden müssten. Auch hier gelang es nur wenigen auf Lösungen wie Print on Demand oder Web2Print umzustellen.
Fazit
Die Druckindustrie hat genau so wie die Verlagsindustrie eine viel zu grosse Arroganz an den Tag gelegt. Wenn einem Kunden der Druck zu teuer ist oder es ihm zu lange dauert, dann druckt er sich das eben lieber schnell selbst. Auch Informationen werden sich die User in Zukunft selbst zusammenstellen. Da braucht man als Verlage gar nicht in Richtung von Paid Content denken, das wird vielleicht ein paar Euro zurückbringen, aber sicherlich kaum eine Wunderwaffe sein.
Rock on…
Bring on the comments
Leave a Reply
Additional comments powered by BackType






[...] Dieser Eintrag wurde auf Twitter von Stefan und Johannes Lenz, Mediencommunity erwähnt. Mediencommunity sagte: RT @Printmonster: Die Druckindustrie in der Krise – As Print goes by http://bit.ly/M2qeO [...]
Sehr geehrter Herr Petersen,
auch wenn ich manch ihrer Ausführungen folgen kann und sogar zustimme – dennoch, kann ich ihrem pessimistischen Grundtenor nicht zustimmen. Tagtäglich verlassen hochkreative und sehr schöne Druckprodukte unser Haus, tagtäglich erhalten wir positives Feedback von unseren Kunden …. die Druckindustrie steht für viele Branchen, man muß am Puls der Zeit bleiben, nahe am Geschäft des Kunden sein und flexibel bleiben. Maschinenverliebte Drucker … dass die weniger Platz haben, das ist so ähnlich wie schnitzverliebte Tischler, die sterben auch aus … technik goes by ..
Wünsche ihnen und uns eine erfolgReiche Woche
D. Hutter
seh ich anders, Kommentar ebendort nachlesbar RT @Mediencommunity: Die Druckindustrie in der Krise – As Print goes by http://bit.ly/M2qeO
This comment was originally posted on Twitter
Vielleicht habe ich mich nicht präzise genug ausgedrückt Herr Hutter. Ich bin begeistert wenn es Druckereien wie Ihre es schaffen und weiterhin hochwertige Produkte an den Kunden bringen. Ich versuche nur darzustellen warum es eben manche nicht geschafft haben oder es schaffen werden. Sie beschreiben es doch schon sehr passend “Man muss am Puls der Zeit bleiben”. Genau das habe ich doch im Artikel ausgesagt, wir sind also der selben Meinung.
Ich wünsche Ihnen ebenso weiterhin viel Erfolg und bleiben Sie immer am Puls der Zeit.
Schöner Artikel. In der Position als Vermittler zwischen Kunde und Druckerei geht es mir nicht anders. Viele Kunden wollen von Qualität und Beratung nichts wissen, sondern es zählt allein der Preis.
Was damals den Schriftsetzer überflüssig machte, macht heute den Gestalter überflüssig.
Und so sehen, wir immer mehr Unternehmer, die siegessicher mit ihrer 13Pt Schrift auf der Visitenkarte den nächsten potenziellen Kunden entgegentreten
Leider, leider. Was eine lange Zeit als Aushängeschild einer Firma galt, weil es das erste war was der Kunde in die Hand bekam, ist heute nur noch ein belangloses Stück Papier, die Visitenkarte
Die Krise erreicht die Druckindustrie. Zwar nicht die Wirtschaftskrise, aber die sinkende Nachfrage. http://is.gd/4XgK8
This comment was originally posted on Twitter
Der Printbereich brach schon letztes Jahr (auch bei mir) extrem ein. Hatte ich noch regelmäßig gute Aufträge mit Geschäftspapieren und Co. , so gingen die zahlen speziell im Printbereich sehr zurück. Das spürten übrigens auch Firmen wie Gruner und Konsorten.