Jun
14
2010

Das Oleson-Prinzip: Die Persönlichkeit eines Online-Shops

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Kennen Sie noch die Serie Unsere kleine Farm, die 1974 bis 1983 ausgestrahlt wurde?

Können Sie sich an Charles und Caroline Ingalls erinnern, an die kleine Laura mit dem leichten Überbiss oder die garstige Nelly, die immer wieder ihren Reichtum zur Schau stellen musste?

Wissen Sie noch, wo die Einwohner von Walnut Grove eingekauft haben? Richtig. In Oleson´s Merkantile, bei Harriett und Nels Oleson.

Für mich ist dieses inhabergeführte Geschäft das Symbol des Kaufmannsladens. Und dieser zeichnete sich im Wesentlichen durch Zuverlässigkeit, Vertrauen und persönliche Beratung aus. Diese Begriffe möchte ich mittnehmen. Behalten Sie diese im Hinterkopf und springen Sie direkt mit mir zum Thema Online-Shop.

Die Vorteile des Online-Shops sind weithin bekannt: Bequeme Auswahl durch übersichtliche Produktdarstellungen, eine große Auswahl, Versand direkt nach Hause, Bezahlung bequem via Rechnung, Bankeinzug, etc.

Doch wo sind meine Schlagwörter: Zuverlässigkeit, Vertrauen und persönliche Beratung? Die Zuverlässigkeit zeigt sich einfach durch die Performance des Webshops und den Versand der bestellten Waren an die richtige Adresse.

Das Thema Vertrauen geht da schon weiter. Natürlich kann Vertrauen gestiftet werden durch mehrfache gute Erfahrungen mit dem Shop. Aber für mich bedeutet es noch mehr, Vertrauen ist stets etwas sozial erworbenes, aufgebautes, dass auch unabhängig von der Ware existiert. Heute, wo vieles so virtuell und von der Realität abgekoppelt ist, wie Finanzprodukte, die niemand versteht oder Rohstoffe, die ihren eigentlichen Wert an einen Spekulationswert abgegeben mussten, habe ich ein erhöhtes Bedürfnis nach Vertrauen, nach persönlicher Beziehung. Ich wünsche mir meinen persönlichen Mr. Oleson, der mich empfängt, der mich berät, der mich über Neuigkeiten iinformiert.

Neulich in Berlin, Prenzlauer Berg, fielen mir die vielen kleinen Läden auf, die ketten- und franchisefrei, ihren eigenen Konzepten folgten. Wohlig warm ward mir da ums Herz. Lauter Mr. Olesons, vielleicht auch einige Harrietts (das sind die Garstigen). Ich als Käufer bin all die Ketten so leid. Es ist hier in Halle fast unmöglich einen privaten Bäcker zu finden. Und nun, da ich einen habe, dem ich vertraue und bei dem ich sicher bin, dass sich keine Sägespäne oder Chemie im Brot befinden, halte ich den fest und will ihm zu Ruhm und Reichtum verhelfen. Aber leider sind derlei kleine Geschäfte (noch) nicht online (zumindest hier). Doch das ist ein anderes Thema.

Diese kleinen Geschäfte kennen Ihre Kunden, und ich meine damit nicht, dass Sie auswertbare Datenbanken haben, mit denen sie Ihre Käufer berechnen können. Nein, sie agieren mit den Kunden als Personen, als Menschen mit Macken, Launen und Leidenschaften.

Kann das Oleson-Prinzip bei Online-Shops funktionieren? Ich denke, dass Figuren wie Emma und Mr.Fanning einem Shop eine persönlicher Note geben, die auf dem Oleson-Prinzip basiert. Beide Figuren sind natürlich noch auszubauen. Und ein wesentlicher Faktor findet noch zu wenig statt: Die Interaktion mit dem Kunden. Dazu fehlt noch, dass der Kunde selbst aktiv wird und sich mit den Figuren bzw. mit dem Shop auseinandersetzt. Denn im Bereich Shop ist das Web 2.0 als Mitmachnetz noch lange kein Standard.

Ich selbst würde mir als Kunde außerdem einen größeren Bezug zu echten Menschen wünschen: Wer steckt hinter den Figuren? Wer arbeitet in dem Shop?Wer ist mein Mr. Oleson?

Denn manchmal frag ich mich in dieser virtuellen Welt: WO SIND ALL DIE MENSCHEN HIN?

Juliane Uhl

Das Oleson-Prinzip: Die Persönlichkeit eines Online-Shops


Montag, Juni 14th, 2010, 13:49


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