19
2010
DSDS – Better change a Running System
Ok, es mag sein, dass ich diesen Spruch irgendwie falsch wiedergegeben habe. Normalerweise sollte man ja schließlich ein funktionierendes System nicht ändern. Hier ist es allerdings dringend notwendig, etwas zu ändern und zwar an der Unterstützung für den Künstler.
Sobald die Freakshows Massencastings vorbei sind, ist DSDS so ziemlich das Belangloseste, was man sich im deutschen TV vorstellen kann. 15 mehr oder minder begabte Sänger(innen) werden zielgruppengenau ausgesucht und dann fein seziert in der Öffentlichkeit ausgebreitet. Man hat ja mittlerweile auch schon hinreichend Erfahrungen damit gesammelt, für welche Talente es die meisten Anrufe gibt. Nach Talent wird hier mit Sicherheit nicht ausgewählt, sondern viel mehr nach Allgemeintauglichkeit. Dabei können sich natürlich auch Gesangstalente darunter verstecken, Menowin Fröhlich und Mehrzad Marashi sind zwei passende Beispiele dafür.
Auffällig ist allerdings, dass am Ende der Staffel wieder einer dieser grausamen zielgruppenorientierten Bohlen Songs herauskommt. Ja, ich weiß Dieter, der Erfolg gibt Dir ja Recht. Nur ist nicht alles was Erfolg hat auch gleich gut. Wir reden hier nach wie vor von Kultur und diese Anforderungen kannst nun mal nicht erfüllen. Daran wird sich auch in Zukunft kaum etwas ändern, denn dazu gehst Du einfach zu wenig Risiko ein. Es kam wieder einer dieser Standard Finalsongs heraus, der am Ende durch massiven Chorgesang oder Streicher die Dramatik unterstreichen soll. Das ist nicht nur langweilig, sondern auch noch der Anfang vom Ende für jeden ernsthaften Künstler. Natürlich wird es auch dieses Mal wieder reichen, um einen Gold oder Platin Status zu erreichen, aber das würde man auch mit “Alle meine Entchen” schaffen. Bei dieser massiven PR Offensive kommen die Käufer gar nicht dran vorbei, den Song zu kaufen.
Damit sind wir auch schon bei den Leidtragenden, den Siegern. Sänger die jede Menge Feeling im Blut haben wie die beiden Finalisten, werden unter der Obhut von Bohlen niemals internationale Anerkennung bekommen. Ein Mark Medlock bringt jetzt das dritte (?) Album auf den Markt und präsentiert uns dabei gefühlt das erste zum dritten Mal. Wer etwas neues, kreatives erschaffen möchte, wer auf etwas seinen Stempel aufdrücken will, der braucht Freiräume und zwar jede Menge. Die scheint man den Talenten aber nicht geben zu wollen. Wer immer sie daran hindert, der braucht sich auch nicht über den mangelnden Erfolg aufregen.
Stefan Raab gehört zwar auch nicht gerade zu meinen Lieblingsproduzenten, allerdings macht er seinen Job um einiges besser. Diese junge, freche, frische Lena Meyer-Landrut hat genau das, was die Talente aus DSDS nie haben werden. Wahrscheinlich hätte der eine oder andere es vielleicht sogar, aber dann wird es eben weichgespült. Vielleicht ist es aber auch genau das Talent vom Herrn Raab. Er sucht und findet diese Ausnahmen, die keine Angst vor Misserfolgen haben oder etwas für die Masse produzieren. Da wird dann auch schon mal frech ein ganzes Album mit Metallica Covern gemacht. Nur so findet ein Künstler seinen eigenen Stil und dann, genau dann können wir wieder über Kultur reden.
Rock on…
DSDS – Better change a Running System
Montag, April 19th, 2010, 12:35Ähnliche Artikel
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Ein Artikel von










Ganz deiner Meinung. Beiden Finalisten kann man ein gewisses Talent nicht absprechen, nur als das Siegerliedchen erklang haben wir umgeschaltet. Die Marketing -und PR-Maschinerie wird es schon richten, aber belanglos bleibt belanglos. Thomas Godoj hat es richtig gemacht. Weniger Verkäufe, aber er hat sich sein Profil erhalten und die Musik mag ich.
[...] Dieser Eintrag wurde auf Twitter von Stefan und Raoul Haagen, Alexander Felde erwähnt. Alexander Felde sagte: DSDS – Better change a Running System: Ok, es mag sein, dass ich diesen Spruch irgendwie falsch wieder… http://bit.ly/9mguqS #SocialMedia [...]
Traurig, aber Du hast echt recht! Ich habe selbst einige Jahre im Musikbusiness gearbeitet – sowohl als Künstler, wie auch als Produzent und ich weiss, wie viele echt gute Künstler draussen herumlaufen und vergeblich versuchen Fuss zu fassen.
Selbst die kleineren Labels arbeiten inzwischen zum grossen Teil nach dem schlechten Vorbild der Majors. Bin selbst sehr gespannt, wie lange es noch dauert bis die Seifenblase platzt. Ich hab nur ein wenig Angst, ich könnte es nicht mehr erleben. Die PR Maschienerie ist inzwischen so mächtig geworden, dass die Musik ihren Stellenwert im Rechenbeispiel von Einsatz und Ertrag völlig zu verlieren droht.
Gruß Mario.
@Mario: Ich teile deine Angst natürlich. Angst scheint aber auch das Problem der Musikindustrie zu sein. Wo früher gerne mal ein Risiko eingegangen wurde, wird heute lieber 3 mal gewaschen bevor man den Künstler auf die Menschheit loslässt. Dabei sind es doch gerade diese Künstler, die den Unterschied ausmachen. Eigentlich will man doch etwas mit seiner Musik ausdrücken, zumindest ist das meine Auffassung und die teilen sehr viele. Heute ist das aber wohl völlig zweitrangig geworden. Heute wird man Künstler um ein Star zu sein und nicht um etwas auszudrücken.
Eigentlich wollte ich dir uneingeschränkt Recht geben, aber dann kommst du mit der Lena um die Ecke, und das ist mal der grösste Scheiss, den man vermarktet hat, und zwar bei den gleichen Leuten die der Bohlen auch bedient. Erfrischend? Ne durchschnittliche Tussi die nicht mal singen kann was sie singen soll. Von singen kann man da eigentlich auch nicht sprechen. Durch deinen letzten Abschnitt disqualifizierst du dich im Prinzip von dem/den Statement(s) vorher. Wenn da nun gekommen wäre: schau mal, BOY ist ne coole Sache .. studierte/ausgebildete Musikerinnen, dann wäre der Beitrag eine runde Sache. So ist es ein Reden um des Redens willen und nichts mehr, da genauso gehaltlos wie DSDS und Raabs Song Contest Gedöne.