Okt
21
2009

Web 2.0 – Der kranke, typisch deutsche Patient?

No Gravatar

Das so genannte Web 2.0 ist doch eine wundervolle Sache, oder? Man vernetzt sich freundlich mit virtuellen Freunden und verhält sich ganz im Sinne von Social Media. Wenn wir Deutschen nur nicht immer so speziell wären.

Ich bin mit dem Internet gestartet als es noch BTX hiess. Damals unterhielt man sich per IRC oder tauschte sich im Usenet aus. Bei beiden Kommunikationsformen war eines immer so gut wie sicher. Wenn man jemandem geholfen hat, dann hielt der andere es für seine verdammte Pflicht hoffentlich auch irgendwann einmal mal helfen zu können. Das funktioniert übrigens heute auch noch, allerdings lange nicht mehr so gut. Genau das gibt mir in letzter Zeit immer öfter das Gefühl, das Web 2.0 wäre nur eine einzige Sammelstelle von egoistischen Selbstdarstellern. Ich versuche mal ein wenig Licht ins Dunkel zu bringen.

Erfolgreich Bloggen um jeden Preis?!

Wir haben da z.B. die Welt von uns Bloggern. Ja, ich sage absichtlich uns, denn auch ich mache das hier kritisierte nicht immer richtig. Blogger leben davon sich der Internetwelt da draussen mitteilen zu wollen. Manche verdienen sogar Geld damit und wiederum andere sind auf der Suche nach Bestätigung und Anerkennung.

Quellen bleiben ungenannt

Tja, und was macht man nicht alles um erfolgreich so bloggen? Ganz einfach, man schreibt ab holt sich die Inspirationen von anderen Bloggern. Besonders häufig (das mag allerdings subjektiv sein) ist dieses Phänomen bei A-Bloggern anzutreffen. Hier werden immer wieder gerne in kleinen B und C-Blogs Artikel gesucht und gefunden um sie dann als eigenen Artikel redaktionell aufzuarbeiten. So weit natürlich nicht verwerflich, schliesslich hat man seine eigene Meinung und den persönlichen Stil mit einfliessen lassen. Was mich stört ist diese grenzenlose Arroganz Ignoranz den ursprünglichen Verfasser nicht zu verlinken. Selbst das wäre noch nicht einmal notwendig, eine Nennung wäre auch schon eine Form der Anerkennung.

Verlinken als 2 Klassengesellschaft?

Auch diese Unart scheint immer beliebter zu werden. Vielleicht ist auch das nur eher ein Gefühl von mir, aber mir scheint, dass dort anscheinend nach Klasse entschieden wird. A-Blogger verlinken halt eben A-Blogger und wenn es sich gar nicht vermeiden lässt, dann zur Not auch mal einen B- oder C-Blog. Ok, vielleicht sollte ich mehr Verständnis aufbringen, schliesslich haben ja nun einige Blogger einen journalistischen Hintergrund. Die beherrschen sicherlich auch das Zeichensetzen im Gegensatz zu mir. :-) Ich will kann es aber überhaupt nicht nachvollziehen, warum man nicht einfach ein wenig respektvoller miteinander umgeht.

Konkurrenz wird nur im Notfall verlinkt

Ja, Ihr habt richtig gelesen, da gibt es doch wirklich einige die glauben Konkurrenz zu haben. Klar, jeder ist permanent auf der Suche nach einem richtig heissen Artikel der möglichst oft verlinkt wird. Man bedient bestimmte Themen in seinem Blog und strebt natürlich danach so erfolgreich wie möglich darin zu sein. Warum dann aber die Arbeit des anderen nicht würdigen möchte verstehe ich nun gar nicht mehr. Die meisten hätten sogar Vorteile, zumindestens im Google Ranking. Auch ich ärgere mich darüber wenn mir das eine oder andere Thema nicht selbst eingefallen ist. Muß ich mich aber dann gleich vor Neid schwarz ärgern? Negative Energie kommt auch in gleichem Masse negativ zurück, also versuche ich dem anderen ehrlich zu gratulieren und beim nächsten mal kreativer zu sein.

Online Reputation – Geheiligt werde dein Name

Nein, keine Angst ich werde jetzt sicher nicht philosophisch, kann ich nämlich gar nicht. Bloggen will nun mal lange nicht jeder, viele schwenken auf Microblogging bei Twitter oder Facebook um. Dagegen ist natürlich gar nichts einzusetzen, wieso auch. Doch auch auf diesen Plattformen greift immer mehr diese Unart des unbedingten Selbstdarstellens um sich. Nein, ich rede nicht von den Tweets mit denen man seine eigenen Blogposts bewirbt.

Linkgeiz ist out – Lang lebe der Retweet-Geiz

Ist es Euch auch schon mal aufgefallen oder hab ich nur schlecht geschlafen geht es mir alleine so? Ihr sendet einen Tweet ab über einen lesenswerten Artikel oder eine richtig interessante Nachricht. Immer öfter passiert dann folgendes: Ein paar Eurer Follower retweeten es so wie es sich gehört. Nach ca. 1 Stunde hört es mit den Tetweets auf, natürlich je nach Relevanz. Wenn Ihr aber einen wirklich interessanten Tweet hattet, dann wird er natürlich retweetet, allerdings eben nicht mehr mit Eurem @Twitteraccount. Was ist das denn jetzt schon wieder für eine Nummer? Machen die das um möglichst als einflussreicher Tweeter da zu stehen? Hier gilt übrigens auch nicht das Argument mit den 140 Zeichen. Ich habe genügend Tweets gesehen, wo stresslos noch 4 Namen hinein gepasst hätten.

Ranking verbessern durch Fans

Pagerank scheint ja nun endgültig tot zu sein. Egal, jetzt haben wir ja auch Blogrankings und momentan ganz beliebt Twitter Rankings. Diese Rankings für Twitteraccounts funktionieren dabei auf unterschiedlich Arten. Das eine listet ganz einfach nach der Followeranzahl auf und das andere nach einem Verhältnis von Followers zu Following. Folgt man selbst wenigen und wird von sehr vielen verfolgt, dann hat man ein sehr gutes Ranking. Natürlich ist es wie immer alles Geschmackssache, aber wieso folgt man so wenig Twitterern? Wenn ich jemandem nicht folge weiss ich doch auch nicht ob und wenn ja was er zu sagen hat, oder? Auch hier fehlt mir ab und an mal der Respekt. Es ist doch nicht so schwer dem anderen einmal zu zeigen, dass man ihm zuhören möchte, oder? Was machen die denn wenn sie in einer Diskussionsrunde sitzen? Erzählen sie erst was sie zu sagen haben und drehen dann demonstrativ ihren Kopf weg?

So, “sch abe fertig” würde wohl der gute Trapattoni jetzt sagen. Wobei ich befürchte, dass es jetzt durchaus eine Flut der Entrüstung geben könnte. Frei nach dem Motto “Was erlauben Strunz?” steht es mir vielleicht gar nicht zu solche klaren Worte zu finden. Ich laufe allerdings schon seit Monaten mit diesem Gedanken umher und konnte mich bisher immer wieder bremsen. Nun ist allerdings der Zeitpunkt gekommen etwas zu sagen. Auf Verlinkungen habe ich in diesem Artikel natürlich absichtlich verzichtet und erwarte ehrlich gesagt auch selbst keine. Ich möchte nämlich auf keinen Fall jemanden direkt angreifen oder kritisieren. Ich hoffe nur, dass es den einen oder anderen vielleicht zum Nachdenken anregt. Ich bin schon sehr auf Eure geschätzten Kommentare gespannt und natürlich auf die Reaktionen.

Dazu passend eine Zeile aus einem meiner Lieblings-Rocksongs:

I see a Light at the End of the Tunnel – Sure hope it ain`t a Train

Rock on…

Web 2.0 – Der kranke, typisch deutsche Patient?


Mittwoch, Oktober 21st, 2009, 08:03