Jul
23
2010

Social Media für Amateurmusik – Chance oder Blödsinn?

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Die Musikindustrie klagt ja nun nicht erst seit gestern über die dramatisch sinkenden Umsätze. Darüber können kleine Amateurbands natürlich nur lachen, denn die wissen noch nicht einmal was Umsatz bedeutet. Ich hab mit meiner Band mal versucht, die interessierte Webgemeinde an den Studioaufnahmen teilhaben zu lassen.

Als Amateurmusiker muss man grundsätzlich schon mal masochistisch veranlagt sein. Ok, wenn man unter 30 ist und gut aussieht, dann kann man natürlich auch mal bei Dieter aufschlagen und den nach seiner fachkompetenten kommertiellen Meinung fragen. Ich denke mal so ziemlich jeder Musiker hat mal von einer Weltkarriere geträumt, irgendwann mal vor vielen Jahren. Hat man erst einmal die 40 überschritten, sind die Träume natürlich längst der Realität gewichen. Jetzt macht man nur noch Musik für sich selbst und für die Musikfans, die es zu würdigen wissen. Da stehen dann oft Bands in alten Spelunken auf der Bühne und spielen sich auf Eintrittsbasis den Arsch ab. Wenn man wie ich seit knapp 30 Jahren Musik macht, dann könnte man über diese Art Auftritte mehrere Blogs füllen.

Vielleicht sollte ich das sogar machen. Ach ne, ich hab ja gar keine Zeit.

Mit den tiefer werdenden Falten wächst komischerweise auch oft der Anspruch. Man will immer noch die Massen Musikfans begeistern und freut sich wie ein kleines Kind über Zuspruch. Veranstalter denken aber in der heutigen Zeit eher in Richtung CPO, sie riskieren so gut wie nichts mehr. Sie machen keine Werbung für eine Veranstaltung, weil sie Geld kostet und sie geben keine Festgagen, weil die Veranstaltung ja schlecht besucht sein könnte.

Social Media könnte hier vielleicht eine Lösung bieten. Ich träume davon, eine Plattform zu schaffen, auf der sich Musikfans, Amateurmusiker und Veranstalter treffen. Fans verabreden sich dann zu einem Konzert einer bestimmten Band und der Veranstalter hat eine feste Größe, mit der er planen kann. Vielleicht bekommt man mit diesem Ansatz die Livemusik auf einen erfolgreichen Weg. Ich habe das Projekt natürlich schon angefangen und arbeite fleißig daran. Es ist vielleicht wieder so ein Hirngespinst von mir, ich werde es aber dennoch versuchen. Vielleicht finden sich ja sogar noch ein paar Leute, die an dem Projekt mithelfen wollen?

Amateurmusiker sollten sich sowieso viel mehr mit den Möglichkeiten von Social Media auseinandersetzen. MySpace ist zwar immer die erste Anlaufstelle dafür gewesen, aber außer Eigenwerbung ist doch in den Kommentaren nie etwas passiert, oder? Facebook, Blogs und Twitter halte ich für eine gute Art, neue Fans zu finden und zu informieren. Es gibt durchaus jede Menge Musikfans, die sich über solche Infos freuen und gerne daran teilhaben möchten. Wir haben mit unserer Band gerade den Werdegang unserer Studioaufnahmen gebloggt. Dabei ist es nicht wichtig ob es 2, 20 oder 2.000 Leute lesen, sondern eher, dass die Leser dabei sind. Rainer (einer unserer beiden Gitarrenvirtuosen) hat das Ganze zu seinem Projekt gemacht und dabei jeden Schritt in seinen Blogposts beschrieben.

The Facory Crew – Das Recording Projekt

Insgesamt stecken in diesem Projekt so ca. 100 Stunden Arbeit, an der die Band jede Menge Spaß hatte. Wir haben so ziemlich jeden einzelnen Schritt (Danke Aaaadrian Rainer) beschrieben, um zu zeigen, wie Amateurbands arbeiten. Mit den Ergebnissen versuchen wir dann die Veranstalter von unserer Quailität zu überzeugen, ob es gelingt werden wir dann in Zukunft sehen. Übrigens sind solche Bands gar nicht so teuer wie Ihr Euch vielleicht vorstellt. Es ist durchaus möglich, einen Liveauftritt für eine etwas größere Party auf die Beine zu stellen, ohne dass man dabei arm wird. Jede Band (wir natürlich genauso) freut sich über Anfragen und es gibt tatsächlich die eine oder andere kreative Lösung, von der alle profitieren. Die Songs darf will ich Euch natürlich auch nicht vorenthalten, ein wenig Eigenwerbung werdet Ihr mir an dieser Stelle hoffentlich verzeihen.

Das Ergebnis – Die Songs

Social Media kann man also auch prima in der Amatuermusik nutzen. Dabei ist meiner Meinung nach die Kommunikation das Wichtigste, denn mehr kann und sollte man nicht erwarten. Amateurmusik ist harte Arbeit, aber man wird auch mal reich dafür entlohnt. Da reicht auch gerne mal ein seeliges Lächeln eines Zuschauers. So, und jetzt hoffe ich dem einen oder anderen von Euch eine kleine Freude gemacht zu haben.

Rock on…

Social Media für Amateurmusik – Chance oder Blödsinn?


Freitag, Juli 23rd, 2010, 11:25