Jan
28
2013

Wenn YouTube Tafeln die Wahrheit sagen würden…

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Tja, da ist sie wieder die “Never ending Story” von YouTube und der Gema. Nun will man seitens der Gema den Streit ein wenig eskalieren lassen und klagt einfach mal. Ob es was bringt und wenn ja was, werden wir dann ja bald sehen. So in 15 bis 20 Jahren.

Gema vs. YouTube

Ich versuche das Ganze einfach mal nüchtern zusammen zu fassen. YouTube konnte sich bereits in 40 Ländern über die Vergütung an die jeweiligen Verwertungsgesellschaften einigen. In Deutschland war dies mit der Gema bisher natürlich nicht möglich. Vergütet wird in diesen Ländern über einen Schlüssel, der einen prozentualen Anteil der Werbeeinnahmen vorsieht und an die Verwerter ausschüttet. Die Gema ist mit dieser Vergütung allerdings nicht einverstanden und möchte zusätzlich pro View bezahlt werden. Aktuell fordert sie 0,375 Cent pro View von Youtube. Wenn wir jetzt mal ein aktuelles Beispiel, den Gangnam Style nehmen, dann würde das folgendermaßen aussehen:

1.200.000.000 x 0,375 Cent = 450.000.000 Cent / 100 = 4.500.000 EUR

Ich hab es übrigens mehrfach nachgerechnet und nachrechnen lassen, weil ich die Zahl nicht glauben konnte. Sie stimmt allerdings und sie zeigt sehr schön welch ungerechte Abrechnungsmethode die Gema hier versucht umzusetzen. Die würden allen Ernstes 4,5 Mio EUR von einem Dienst haben wollen ohne den dieser Erfolg niemals möglich gewesen wäre. Es wurden um bei diesem Beispiel zu bleiben zwar satte 8 Mio Dollar an Werbeinnahmen generiert, allerdings fließen diese natürlich auch zum großen Teil an die einzelnen Partner. Wären diese Partner wiederum nicht da, dann wäre der Erfolg natürlich auch ein ganz anderer.


Unterstützt durch MyVideo. Realisiert von OpenDataCity. Anwendung steht unter CC-BY 3.0.

Der Gema ist so eine Rechnung wahrscheinlich komplett egal, sie halten sie bestimmt sogar für gerechtfertigt. Damit sie solche Rechnungen dann schnellstmöglich auch stellen können, haben sie dann auch mal Klage eingereicht. Ist ja auch voll fiese, dass die YouTube Tafeln da ein völlig falsches Bild auf die Gema werfen.

YouTube Preview Image

Was sagen eigentlich die Musiker?

Tja, da kommt es erst einmal darauf an ob sie in der GEMA sind und wenn ja was sie davon haben. Nimmt man die Meinungen der Musiker die hohe Einnahmen durch die GEMA erzielen, dann liegt die Antwort wohl auf der Hand. Fragt man aber die Musiker die keinen einzigen Cent von der GEMA bekommen, dann sieht das Ganze natürlich komplett anders aus. Als Amateurmusiker kenne ich dementsprechend viele äußerst begabte und natürlich auch weniger begabte Musiker. Nur sehr wenige können ausschließlich von ihrer Musik leben und müssen sich dafür dazu auch noch oft verbiegen. Fragt man nun genau diese Amateurmusiker, dann werdet Ihr verdammt wenige darunter finden die auf der Seite der GEMA stehen.

Die kennen solche Dimensionen gar nicht, die vermarkten sich fast ausschließlich selbst. Da werden Webseiten gebastelt, Fanpages gepflegt, Einladungen verschickt, CD´s auf eigene Kosten produziert, Flyer gedruckt, Plakate geklebt, hunderte Stunden in stinkenden Proberäumen verbracht, Songs und Texte geschrieben, Klinken bei Veranstaltern und Kneipen geputzt und was weiß ich noch alles. Als Dank müssen diese dann auch noch bei einem Konzert über einen Eintrittspreis von 10 EUR diskutieren. Meistens dazu auch noch mit den Zuschauern die sich täglich für 8 EUR einen Kaffee bei Starbucks gönnen.

Solche Musiker machen ihren Job weil ihr ganzes Herz daran hängt und sie nichts lieber als Musik machen möchten. Die fragen sich auch nicht was die GEMA für sie tun könnte, weil sie selbst für ihren Erfolg verantwortlich sind. Genau hier liegt dann auch die Zukunft die weder die Printindustrie noch die GEMA erkennen kann will. Es ist vorbei mit solchen Oldschool Verwertungsmodellen liebe GEMA. Bleibt ruhig weiter auf Eurem hohen Ross sitzen und versucht den Quatsch weiterhin als besonders wertvoll zu verkaufen. Die Kraft und die Kreativität liegt längst woanders und die vermarkten sich in Zukunft selbst. Und wir alle unterstützen das mit CD Käufen und Konzertbesuchen, oder?

Wenn YouTube Tafeln die Wahrheit sagen würden…


Montag, Januar 28th, 2013, 12:00