Jul
13
2010

Social Media Experten – Von Facebook Luden und Twitter Cheatern

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So langsam wird es lästig mit den ganzen selbsternannten Social Media Experten. Es herrscht momentan eine Art “Goldgräberstimmung” und jede Menge Rattenfänger verkaufen den Unternehmen falsche Beratungen für viel Geld.

Ich fühle mich momentan an die Jahrtausendwende zurückversetzt. Damals waren Reprostudios, Werbeagenturen und sogar Druckereien der Meinung, sie könnten den Kunden ja auch gleichzeitig noch ‘ne Homepage basteln.  Da ist jede Menge Geld zu verdienen und die Kunden wollen doch sowieso alle online sein. “Mit Grafik kennen wir uns doch aus, also können wir uns das Geld auch selbst verdienen. “  Kaum ausgesprochen wurden den Kunden die weltweiten Möglichkeiten gezeigt. Dieser war dann irgendwann so beeindruckt, dass er sabbernd blind fast jeden Preis akzeptierte.

Ähnlich scheint es auch jetzt zu sein, denn Social Media hat eine enorme Faszination ausgelöst. Print wirkt eben schon lange nicht mehr so, wie die Druckindustrie immer noch glaubt. Also machen sich jede Menge neue Social Media Experten auf den Weg und suchen sich ihre Opfer Kunden. Die Aussagen, die von diesen Rattenfängern Experten gemacht werden, könnten gar nicht plakativer sein. Jeder von uns kennt sie mit Sicherheit und wird sich schon seinen Teil dazu gedacht haben. Die Kunden werden mit Aussagen wie 5.000 Follower in 14 Tagen in Verzückung versetzt. Eigentlich sollten solche Aussagen Entsetzen auslösen, aber woher soll das Entsetzen kommen, wenn der Social Media Experte gar keine Beratung liefern kann? Wird dann tatsächlich mal ansatzweise eine Beratung geliefert, dann ist sie bei den einzelnen Kunden kaum angepasst und schon ähnelt ein Ei dem anderen. Nichts kann schlimmer sein, als ein langweiliger Social Media Auftritt, den man überall wiederfindet.

kreativitaet

Bildquelle: MissCellania

Der Twitter Cheater

Dieser niedliche kleine Experte stellt für mich die erste Stufe in der Social Media Experten Evolution dar. Zahlen sind seine Welt und nur mit denen kann er auch beeindrucken. Seine Arbeitsweise ist dabei denkbar einfach. Mit ein paar Tools und Scripts bewaffnet macht er sich auf die Jagd nach Followern, die dann oft sinnfrei ausgewählt werden. Per Automatismus wird gefolgt und wieder entfolgt, wenn es nicht auf Gegenseitigkeit beruht. Es ist zwar überhaupt nichts dagegen einzuwenden, vielen Leuten zu folgen, aber denen sollte man dann doch bitteschön auch aus Interesse folgen. Es werden Retweet Bots gefahren und automatische Direktnachrichten versendet. Ist die vertraglich vereinbarte Followerzahl erreicht, dann hat der Kunde einen großen Haufen Mist, in dem er mit viel Glück vielleicht ein paar wenige Rosinen findet. Meiner Meinung nach ist das die erste und schlimmste Evolutionsstufe. Hier wird nicht nur Geld ausgegeben für nichts, sondern sogar noch Schaden angerichtet.

Der Facebook Lude

Diese Form ist noch nicht so bekannt und hat seinen Siegeszug noch vor sich. Zuerst wird jede Menge Geld für ein simples Facebook Fanpage Layout genommen und dann wird Fanvieh rangekarrt. Nicht, dass wir uns falsch verstehen. Natürlich sollte und muss ein Layout Geld kosten, wenn es gut ist sogar auch ein paar Euro mehr. Aber nur, weil der Auftraggeber noch nicht geschnallt hat, wie einfach FBML ist, gibt es noch lange keinen Grund, ihn über den Tisch zu ziehen. Beim Aufbau der Fangemeinde gilt natürlich das selbe wie bei Twitter. Um Fans zu gewinnen muss man zwar Geld ausgeben, aber doch bitte nicht wie Prostituierte kaufen.

Der Social Media Prediger

In der Evolutionsstufe 3 angekommen ist dieser possierliche Zeitgenosse der Leader unter den 3 Experten. Er gehört zu denen, die sich permanent über die beiden anderen aufregen und dem Kunden erzählen was sie alles falsch machen. Seine Lösung ist dabei so einfach wie genial. Er nutzt alles was es an Tools gibt und zählt Twitter schon seit Monaten zu den Old School Tools. Er lebt Social Media an jedem Tag seines Lebens und zu jeder Sekunde. Mit Macht und Nachdruck sorgt er dafür, dass der Kunde danach entweder auch alles macht oder gar nicht erst anfängt. Hier wird geliked, getwittert, gowallat, foursquared und was sonst noch alles möglich ist. Jede Handlung in seinem Leben ist öffentlich zugänglich, denn jeder soll sehen, wie gut er damit umgehen kann. Er ist der Idealist unter den dreien und wird beim nächsten neuen Tool das alte ebenso vernichtend bewerten wie alle anderen zuvor.

Die nächste Stufe in dieser Evolution ist übrigens der erste Berater, der einem Unternehmen Social Media wirklich näher bringen kann. Wie viele es davon gibt, kann ich allerdings nicht genau sagen, aber ich habe schon ein paar davon kennengelernt. Interessanterweise sind gerade diese Berater dann aber eben nicht so laut wie die oben genannten. Sie kennen nämlich das Problem und wollen auf keinen Fall mit denen in einen Topf geworfen werden.

Wer von Euch kennt denn nun welches Exemplar? Los, traut Euch!

Rock on…

Social Media Experten – Von Facebook Luden und Twitter Cheatern


Dienstag, Juli 13th, 2010, 12:57