11
2010
10 Regeln um erfolgreich die Blogkultur zu zerstören
Was wäre das Web in der jetzigen Form ohne Blogger? Vielen ist dieses unbekannte Wesen schon längst ein Dorn im Auge und wenn wir jetzt nicht aufpassen, dann verlieren wir auch massiv an Ansehen.
Beim Besuch des ersten Blogs musste ich grinsen. Diesen Hype um die Blogs konnte ich nun so gar nicht nachvollziehen. Da schrieb einer irgend etwas Belangloses und ich fragte mich wen das überhaupt interessiert. Beim weiteren Stöbern in für mich relevanten Blogs veränderte sich mein Grinsen zu einem offenen Mund. Textsicher, mit Emotionen unterstrichen und voller wertvoller Hinweise wurde ich mit absolut hochwertigen Inhalten beschenkt. Es machte sich Dankbarkeit und größter Respekt in mir breit. Ich verstand allerdings nicht, warum diese Blogger das auch noch alles gratis machen. Es gibt unendlich viele Blogposts da draußen, die einen wesentlich höheren Wert haben, als Artikel in einer teuren Fachzeitschrift.
Das ist natürlich schon einige Jahre her und ich bin selbst unter die Blogger gegangen. Die Entwicklung der Blogkultur (sofern es eine gibt) sehe ich allerdings momentan eher negativ. Ja, ich weiß, dass ich schon wieder rumzicke, aber vielleicht sieht das der eine oder andere von Euch ja sogar ebenso. Die Art des Bloggens hat sich gerade in den letzten Monaten extrem weiter entwickelt. Es werden Techniken und Umgangsformen gepflegt, die ich überhaupt nicht mehr nachvollziehen kann. Beispiele dafür hab ich natürlich genug. Ihr wollt welche? Dann brauchen wir nur noch diese Tipps anwenden und die Blogs verlieren massiv an Bedeutung.
Verlinke so viel es geht auf Deine eigenen Artikel
Keine Ahnung wie diese Unart entstanden ist. Ich nehme mal an, da haben einige wohl die SEO-Tipps für Blogger falsch interpretiert. Wie soll man als Blogger ernst genommen werden, wenn man in erster Linie auf die eigenen Artikel verlinkt?
Verlinke so selten wie möglich auf andere Artikel
Ich frage mich immer, wodurch dieser Linkgeiz entstanden ist. Ich verstehe ja, dass man keine Lust mehr auf diese vielen Linktausch Anfragen hat. Allerdings wird ein guter Artikel doch wesentlich interessanter, wenn man auf andere verweist. Und nur wer selbst verlinkt, wird auch gerne mal von anderen verlinkt, oder?
Schreibe in erster Linie über Dinge die schon 10 andere behandelt haben
Natürlich ist es schwierig sich jeden Tag etwas Neues einfallen zu lassen. Es ist auch nicht dagegen einzuwenden, dass man seine Sicht darstellt. Aber gerade bei News ist es häufig so, dass mehr als 10 Blogs ein und das selbe Thema aufbröseln. Da muss man dann nicht noch der elfte sein.
Kommentiere immer mit Deinem SEO Namen
Sehr wichtiger Aspekt um bei Google nach vorne zu kommen. Das Problem ist nur, dass kaum ein Kommentar von Dir ernst genommen wird, wenn Du Viagra oder Roulette heißt. Im Gegenteil, Du schadest Dir sogar. Es gibt sogar wertvolle Kommentare von solchen Viagras. Die veröffentliche ich dann allerdings nicht, was ich manchmal sogar sehr schade finde.
Kommentiere überall gleich
Warum sollte man bei Kommentaren direkt auf den Artikel eingehen? Einfach mal so etwas Sinnvolles wie:
Hätte gar nicht gedacht, dass es so einfach ist!
sagen. Da weiß jeder Bescheid wie dankbar Du für den Artikel bist und Dein Kommentar wird bestimmt immer veröffentlicht. Als Spam erkannt das der Blogbetreiber bestimmt nicht.
Das Ergebnis wird in Zukunft vielleicht das Bezahlen von Kommentaren sein.
Benehmen wird total überbewertet
Warum solltest Du Dich in einem Blog benehmen? Zuhause brauchst Du es nicht, beim Einkaufen tust Du es auch schon lange nicht mehr und im TV benimmt sich ja auch keiner. Also immer raus mit direkten Beschimpfungen. Am besten spickst Du sie dazu noch mit irgendwelchen Behauptungen und wirst dazu noch persönlich. So ist jede Menge Feuer in der Diskussion und der Blogger nimmt Dir als Troll das bestimmt nicht krumm.
Bescheidenheit ist was für Warmduscher
Wer Erfolg hat sollte es auch deutlich machen. Selbst der kleinste Erfolg kann als Sensation dargestellt werden. Also sei kreativ dabei und mach klar was für eine große Nummer Du bist.
Gib niemals Hilfestellungen
Wenn Dich jemand um Hilfe bittet, dann antworte auf keinen Fall. Es könnte sein, dass der Hilfesuchende dafür dankbar ist und Dir vielleicht etwas Gutes tun wird.
Klaue so oft und so viel Du kannst
Wertvollen Content findet man doch nun wirklich genug, oder nicht? Warum solltest Du ihn dann also selbst schreiben? Schmücke Dich mit fremden Federn und sei Dir dabei keiner Schuld bewusst. Nur so wirst Du zu Guru Deiner Zunft!
Wiederhole Dich stetig
Auch das ist ein wichtiger Aspekt. Nach dem Motto “Steter Tropfen höhlt den Stein” kommst Du am besten zum Teil. Nur wer immer wieder das selbe schreibt, dem wird man auch glauben.
So, das waren sie die 10 Regeln. Es könnte davon sicherlich noch etliche mehr geben, die allesamt dazu beitragen würden. Vielleicht habt Ihr ja auch noch den einen oder anderen Tipp um diese Liste zu erweitern? Gute Blogs gibt es natürlich immer noch jede Menge da draußen und vor den meisten habe ich einen riesigen Respekt. Es wäre wirklich sehr schade, wenn gerade diese guten Arbeiten irgendwann in der Bedeutungslosigkeit verschwinden, weil ein paar solchen Blödsinn verzapfen, oder?
Rock on…
10 Regeln um erfolgreich die Blogkultur zu zerstören
Mittwoch, August 11th, 2010, 16:47Ähnliche Artikel
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Ein Artikel von










Hätte gar nicht gedacht, dass es so einfach ist!
Hätte gar nicht gedacht, dass es so einfach ist!
Mist, Viagra war schneller
@Martin: Ich war auch schon sehr gespannt, wer den Joke als erstes bringt.
Klar, ohne Humor darf man den Artikel auch nicht lesen.
hehe, in die Falle musste ich ja tappen
Irgendwie fühle ich mich hier so betrunken: ich seh alles doppelt (die Avatare mein ich)
Jo, das Problem wollte ich schon seit mehr als 12 Monaten behoben haben.
Vielleicht schaff ich das ja in den nächsten 12 Monaten?
Hallo Stefan,
schöner Artikel und Danke für den Link
Ich sehe die Probleme ziemlich ähnlich. Jeder will mit seinem Blog an der Spitze (von was eigentlich?!) stehen und will möglichst viel bekommen und nichts dafür geben. Das fängt natürlich in erster Linie beim Linkgeiz an und setzt sich über die weiteren genannten Punkte fort.
Was ich dabei besonders nervig finde: Häufig muss man sich noch beschimpfen lassen weil man solche “Blogger” eben nicht z.B. in die Blogroll aufnehmen möchte …
Gruß
Daniel
Gebe dir erstmal recht.
Allerdings finde ich auch sehr häufig Blogposts mit reißerischen Titeln, welche mit einer miesen Struktur und schlechter Lesbarkeit zum 100000 mal erläutern, wie wichtig Meta-Angaben sind bzw. keine interessanten Inhalte bieten-> Dein Punkt 3
Was mich von guten Kommentaren manchmal abhält, ist diese ewige nofollow Geschichte. Warum soll man sich die Mühe machen und sich längere Zeit auf einen einigermaßen intelligenten Kommentar konzentrieren, wenn der Blogger des Hauses alle Links auf nofollow gestellt hat? Gegen Spammer gibt es auch andere Mittel und Wege. Und ein kleiner Gruß mittels dofollow-Link für den Kommentator halte ich für angebracht.
Es ist immer ein Geben und Nehmen. Der Kommentator fügt weiteren Content zu dem Artikel hinzu und bekommt dafür einen dofollow-Link. Aber leider sind diese Zeiten ja auch schon lange vorbei. Von einer Blogkultur bleibt da nicht mehr viel übrig.
@Daniel: Aber gerne doch
@Stefan: Mich interessiert im Zusammenhang auf meine Kommentare in anderen Blogs zwar das NoFollow Attribut wenig, aber ich verstehe deinen Einwand. Darum ist es auch hier mit einem Plugin gelöst, welches erst ab einer bestimmten Zeichenanzahl auf Do-Follow schaltet.
Den Artikel zu lesen war wirklich sehr interessant. Es gibt tatsächlich viele Punkte wo sich Blogger selber schaden.
Kurzfeeds finde ich zum Beispiel absolut katastrophal. Schade finde ich das es keine “Like” Funktion für Blogs gibt, wo man schnell und einfach auf fremde Blogartikel verweisen kann, sozusagen ein fremden Artikel mit den eigenen Lesern teilen.
Ich denke, die Blogosphäre erreicht eine neue Evolutionsstufe: die Professionalisierung. Am Anfang bloggten viele spielerisch, probierten aus, lasen und kommentierten in anderen Blogs, gaben zunächst ohne etwas einzufordern. In gewisser Weise entstand so eine Gemeinschaft mit gewissen “Tugenden”. Nun ist Bloggen nicht mehr außergewöhnlich, sondern schon fast alltäglich. Wie äußert sich das? Einerseits entstehen Massen an Blogs, andererseits gibt es eine beginnende Professionalisierung in der Breite. Diese äußert sich in technischen Grundlagen (Stichwort SEO) und in “Leuchtturm-Blogs”. Schaut man sich mal ein Blog wie das von Stefan Niggemeier an, speziell die Kommentare, so sieht man sehr schnell, was im Artikel unter Punkt 5 gemeint ist, erweitert um “Kommentiere, um vom Kuchen einen Krümmel abzubekommen, ohne wirklich sich mit dem Thema beschäftigt oder Ahnung zu haben”. Wer also einen gewissen Bekanntheitspunkt erreicht und überwunden hat, das wird der Blog zum Selbstläufer. Was dabei eben leider vergessen wird und was ein Charakteristikum des Bloggens war, sind die oben genannten “Tugenden”. Zudem muß man sich fragen, ob quantitative Blogvergleiche wirklich sinnvoll sind. Nischenthemen bleiben Nischenthemen. Da lesen eben nur 20 Leute den Blog. Anders dagegen bei etablierten oder themenbreiten Blogs. Es ist eben eine Frage des Maßstabs.
Übrigens finde ich es erstaunlich, daß seit mehreren Wochen und Monaten sich in einigen Blogs über die neue (Un)Kultur beschwert wird. Lösungen? Professionaliserung verändert die Blogkultur. Jeder Blogger hat es selber in der Hand, wohin die Reise geht. Zurück zu den Wurzeln wird es wohl nicht sein.
Viele Grüße
Wenke Richter
P. S. Ich mache es jetzt auch: Link zu meinem Blog setzen und alle Leser sollen fleißig hingehen und kommentieren
Hallo Wenke, erst einmal vielen Dank für deinen ausführlichen Kommentar. Die Professionalisierung der Blogs sehe ich nicht als Problem an, ganz im Gegenteil. Anscheinend geht aber gerade diese Professionalisierung einher mit einer gewissen Portion Egoismus und das gefällt natürlich den meisten nicht. Wer erfolgreich bloggt darf auch ruhig mal die “Größe” zeigen und auf kleinere Blogs oder Konkurrenten zu verweisen.
Das würde nämlich auch gerade den neu anfangen Bloggern nicht so schnell den Mut nehmen. Denn gerade in den letzten Monaten sehe ich zusätzlich noch eine Kultur, in der lieber untereinander verlinkt wird, anstatt auf wertvolle Artikel. So gelangen oft ziemlich wertlose Artikel in die News und das kann ja wohl nicht der Sinn des Ganzen sein, oder? Dementsprechend halte ich deine Aussage “Jeder Blogger hat es selbst in der Hand” zwar für richtig, aber eben nicht für jeden machbar.
Natürlich wird auch dieser Artikel den “Fortschritt” des Bloggens nicht aufhalten, aber das schöne am Bloggen ist ja nun mal, dass ich ab und zu mal Dampf ablassen kann. Hat dazu noch den Vorteil, dass man solche wertvollen Kommentare wie von dir bekommt.
Hallo zusammen, hallo Stefan, ich bereite gerade ein Seminar zu “Internet und Öffentlichkeitsarbeit” vor. Gern will ich den Teilnehmenden auch die Blogsphäre näher bringen, sehe aber auch die Gefahr der bloßen Selbstdarstellung. Ich denke mit deinen Regeln kann ich die grundsätzlichen Ideen traditioneller Öffentlichkeitsarbeit etwas kontrastieren … Freu’ mich schon auf die Diskussion dazu
Hallo Hannes. Ja ich denke, da könntest du Recht haben. Einige dieser Regeln gelten nicht nur für Blogs und sollten zu einer interessanten Diskussion führen. Daran hätte ich sicher auch Spaß gehabt.
” Benehmen wird total überbewertet ”
Och das find ich auch, My Blog is My Kastl oder so ähnlich, aber ich denke mal so schlimm bin ich gar nicht.
” Kommentiere immer mit Deinem SEO Namen ”
Also hier habe ich jetzt ein echt großes Problem, ich versuche wirklich zu vermeiden ständig die Keywords zu nutzen, aber verdammt noch mal, ich kann doch nichts dafür das meine Mutter mich so genannt hat.
Das interessiert mich mit dem Plugin. Kannst Du mir den Namen verraten? Vielleicht setze ich das dann bei mir auch ein. So kann man sich die Linkeinsammler anscheinend vom Hals halten und die wirklich guten Kommentatoren mit einem Link beglücken.
Auf nofollow achte ich auch nur dann, wenn ich mich auf einem für mich neuen Blog bewege. Bei mir bekannten und geschätzten Blogs, ist es mir teilweise auch einfach egal.
@Stefan: Klar, guckst du z.B. hier
Ja?
Hmmh, hat er wohl nicht genommen. Dann so: http://www.fob-marketing.de/marketing-seo-blog/nfcbc-seo-light-the-light-version-of-nofollow-case-by-case.html
@Stefan Da war ich wohl mit meiner Ausführung im “Wahn des Kommentierens”
ungenau. Sehe Professionalisierung an sich auch nicht als Problem an, sondern, wie Du richtig bemerkt hast, die abnehmende (ist das wirklich so?) Bereitschaft auf guten Inhalt zu verweisen, kommentieren (im Sinne von Geben) ohne das im Vordergrund die Erwähnung beim “Leuchtturm-Blog” steht oder der besagte Krümmel vom Kuchen abfällt. Also kurz gesagt, volle Zustimmung. Gerne kannst Du Dampf ablassen, ist ja so etwas wie eine Rückbesinnung oder Selbstkontrolle der Blogosphäre.
Wahnsinn, habe den Artikel aus meinem Feed einfach geöffnet ohne vorher groß auf die Überschrift geachtet zu haben. Dann mal schnell in die Mitte des Artikels gescrollt und siehe da, ich war wirklich verwirrt. Warum sollte ich denn groß mit meinen Erfolgen pralen? Wieso sollte ich all diese Dinge machen, das ergibt doch alles keinen Sinn.
Doch zum Glück habe ich wie jeder gesunde Mensch nochmal ganz von oben angefangen.
Ein wirklich schöner Artikel, der beim zweiten Mal noch sarkastischer und witziger rüberkommt, als er ohnehin schon ist.
Liebe Grüße
Patrick
[...] Linken: Ein Blogbeitrag ist keine Pressemitteilung. Ein Blogbeitrag ist ein Diskussionsbeitrag zu einem bestimmten Thema. Und weil man im Internet nicht allein ist, legt man Links zu weiteren lesenswerten Informationen zum Thema. [...]