Okt
5
2010

Diaspora – Social Network als „Facebook-Alternative“

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In letzter Zeit hat man von immer mehr Social Network Startups gehört die meinen auf kurz oder lang Facebook ein paar Nutzer abjagen zu können. Meistens setzen die Startups auf erhöhten Datenschutz und probieren so Facebooks meist kritisierte Schwäche zu nutzen. In diesem Artikel möchte ich verschiedene Startups vorstellen, bewerten und meine Einschätzung auf Erfolg oder Flop begründen.

Der wohl größte Versuch ist das open-source Network Diaspora.
Diaspora bedeuted zu lateinisch “verteilt” und möchte damit eine Alternative zu Facebook darstellen, da dies den Gründer als zu zentralisiert und mit zu vielen mangeln im Datenschutz scheint. Diaspora hat den Anspruch den selben Leistungsumfang wie Facebook bieten zu können um leichter User abzuwerben. Diese Besonderheit im Datenschutz bei Diaspora ist, dass Userdaten auf gesonderten Webservern abgelegt werden, über welche der User dann komplett selbst bestimmen kann. So jedenfalls in der Theorie des Anbieters. Wer sich einen genaueren Eindruck machen möchte findet unter der Seite www.joindiaspora.com noch mehr Informationen zum Projekt und zum Entwicklungsstand.

Interessant ist bei Diaspora, dass es sich um das erfolgreichste Kickstarter Projekt jemals handelt. Anstatt den anfänglich geplanten 10.000 $ als Spendenziel zu erreichen, hatte man binnen weniger Wochen von 200.642 Dollar von 6479 Spendern eigenommen. Paradox ist dabei, dass es sich bei einem der größten Spender um den Facebookgründer Marc Zuckerberg handelt. Inwiefern nun von Anfang Facebook sich durch Geld Einfluss erkauft hat ist natürlich reine Spekulation, jedoch zeigt es, dass das Projekt nichtmal vom Marktführer ignoriert wird. Auf der anderen Seite ist durch den großen Facebook Hype der Wirbel um Diaspora auch gut nachvollziehbar – jeder möchte bei einem möglichen Facebookkonkurrenten von Anfang an dabei gewesen sein.

Chancen von Diaspora

Von Anfang an mit geringen Mitteln Facebook zu kopieren ist eine sehr schwierige Aufgabe. Selbst durch ein open-source System, bei dem dann alle User in der Theorie mitarbeiten können, ist es ein Mammutprojekt dieses zu koordinieren und aufzuholen worran Facebook nun schon seit 6 Jahren arbeitet. Eine erste Alpha-Version soll im Oktober erscheinen und trotzdem häufen sich jetzt schon die Meldungen über Sicherheitslücken im offengelegten Quellcode.

Zudem muss durch die Dezentralisierung der User das Netzwerk selber hosten, was für die meisten User ein Hindernis darstellen wird. Damit erfüllt die selbsternannte “Facebook-Alternative” nicht die Vorraussetzung auf für technische weniger versierte Surfer problemlos zugänglich zu sein. Der Otto-Normal-Verbraucher wird, falls sich bei diesem Punkt nichts mehr tut, lieber bei der bequemen Nutzung von Facebook bleiben.

Auch wenn sich ein großer Hype um Diaspora als mögliche Facebook-Alternative entwickelt hat ist es fraglich ob die Masse der User, die sich weniger um Datenschutz kümmern, zu einem Wechsel bereit wäre. Damit müsste das Netzwerk nicht nur Facebook einwandfrei kopieren, besseren Datenschutz anbieten, sondern auch noch einen richtigen Mehrwert spricht Innovation und Überlegenheit zu Facebook bieten. Ob das alles mit einem Etat von 200.000 $ möglich ist, bleibt fraglich.

Auch die Möglichkeiten für Social Media Marketing an dem Projekt werden ausschlaggebend für den Erfolg sein. Mittlerweile etablieren sich mehr und mehr Unternehmen hinsichtlich der Vermarktung ihrer Produkte, guter Monitoring Möglichkeiten =(und Gruppenzwang) ihre Fanseiten bei Facebook. War es vor 3-4 Jahren noch MySpace bei dem man umsonst sein Produkt oder Website bewerben konnte, auch wenn das Netzwerk besonders für Musiker geeignet war und weniger für Peters neuen Shop für Damenschuhe, diente es als Vorlage für die heutigen Fanpages bei Facebook. Den meisten Besitzern von Fanpages wird der Datenschutz wohl egal sein, da sie sich primär für die Anzahl der Besucher durch ihre Social Media Marketing Aktionen interessieren.

Besonderes interessant könnte das Netzwerk jedoch für Firmen werden, die gezielt besonderes Computerversierte Menschen erreichen möchten. So wird es bei Diaspora wahrscheinlich weniger “Gefällt-Mir” Seiten mit tausenden von mehr oder weniger lustigen Sprüchen geben, sondern möglicherweise Online-Shops für die neuesten Athlon Prozessoren oder Chiptuning.

Das in meinen Augen größte Manko an Diaspora wird die Massentauglichkeit durch den Namen sein. Facebook geht viel leichter von der Hand und ist durch die Globalisierung und Amerikanisierung unserer Gesellschaft für jeden 8-Jährigen zu verstehen. Dass Latein eine tote Sprache ist und wohl 95% der Menschen erstmal das Wort Diaspora nachschlagen muss und es weniger leicht von der Zunge geht, hat er wohl wenig Potenzial eine ernsthafte Konkurrenz darzustellen. Ein gutes Beispiel ist dafür Microsofts erster Versuch sich auf den Suchmaschinenmarkt zu etablieren: Mit dem ersten Versuch “Live-Search” kam man nicht weit. Danach erfand man eine fetzige Marke namens “Bing“, welches auch als adjektiv verwendet werden kann, und schon fangen die Marktanteile sich an zu steigern.

Diaspora – Social Network als „Facebook-Alternative“


Dienstag, Oktober 5th, 2010, 14:29