Nov
26
2010

Sechs beliebte Horrortheorien über Social Media

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Der Einsatz von Social Media wird von vielen Unternehmen diskutiert.

Dabei entstehen tollkühne Katastrophenszenarien. Ich nenne sie Horrortheorien, weil sie kaum einmal Realität werden. Doch diese Horrortheorien bestehen. Ein Hinweis darauf, wie hoch das Interesse ist. Hier also die sechs beliebtesten Horrortheorien und ihre tatsächlichen Auswirkungen.

Selbst der beste Workshop oder Vortrag zum Thema Social Media ist einmal zu Ende. Es folgt das letzte Gespräch. Meist unter vier Augen. Mit dem Geschäftsführer des Unternehmens. In diesem Gespräch kommen sie dann ans Licht:

1. Horrortheorie: Eine Welle von enttäuschten Kunden zerstört unsere Marke über Nacht!

Wenn das passiert, hat Ihr Unternehmen über einen längeren Zeitraum sehr viel Mist gebaut. Ihre Reputation war schon dahin, bevor Sie in Social Media aktiv wurden. In der Realität gibt es diese Wellen eher selten und bevorzugt bei Weltkonzernen. Bei kleinen und mittelständischen Unternehmen entwickelt sich in der Regel kein Tsunami, sondern ein Sturm im Wasserglas. Einen Schutz dagegen gibt es nicht.

2. Horrortheorie: Wir müssen 1000 Freunde haben, bevor wir den Dialog beginnen!

Aktivisten. Konkurrenten. Sie organisieren sich und terrorisieren uns! Daher muss unser Netzwerk groß genug sein, um sich selbst zu schützen! Tatsächlich ist für den aktiven Dialog eine gewisse Anzahl von Nutzern notwendig, 50 bis 100 sollten es schon sein. Doch die Größte des Netzwerks allein ist kein Indikator dafür, wie stark die Selbstheilungskräfte sind. Ich halte Theorien mit Anlehnung an die Biologie für hohle Phrasen aus dem Marketing. Es geht um Beteiligung und nicht um Grippeviren.

3. Horrortheorie: Wir müssen kritische Bemerkungen löschen!

Ein unzufriedener Kunde kritisiert uns öffentlich! Das schreckt Neukunden ab! Wir müssen kritische Bemerkungen löschen! In der Regel haben Unternehmen keine Möglichkeit, unerwünschte Kritik zu löschen. Natürlich kann eine negative Bemerkung andere Interessenten abschrecken. Nutzen Sie die Kritik. Drehen Sie den Spieß um und werden Sie aktiv! Zeigen Sie, was Ihr Unternehmen leisten kann. Das finden auch Neukunden interessant.

4. Horrortheorie: Wir müssen ständig online sein und sofort reagieren!

Horden von Chaoten warten nur darauf, dass wir einen Fehler machen! Wir machen besser gar nichts! Es ist ausreichend, wenn Sie innerhalb von 24 Stunden reagieren. Von den meisten Unternehmen wird nicht erwartet, dass sie am Wochenende aktiv sind. Viele Plattformen informieren zudem per E-Mail über Aktivitäten und neue Nachrichten. Sollten Sie eine abfällige Bemerkung kassieren, verbuchen Sie es unter “Erfahrung”. Diese Erfahrungen sind wichtig für Ihr Unternehmen und Ihre Mitarbeiter.

5. Horrortheorie: Wir müssen mehr Nachrichten veröffentlichen als unser Wettbewerber!

Konkurrenten veröffentlichen ständig neue Nachrichten! Das müssen wir auch, sonst stehen wir doch schlecht da! Wenn Unternehmen alle 10 Tagen regelmäßig eine Nachricht veröffentlichen ist das in Ordnung. Es geht nicht um die Anzahl der Meldungen, sondern um die Qualität. Nachrichten sollten einen Mehrwert für Ihre Kunden liefern. Fragen Sie sich: Wie können Sie ihren Kunden helfen? Welches Problem können Sie mit der Nachricht lösen? Weshalb interessiert das Ihre Kunden?

6. Horrortheorie: Wir müssen verhindern, dass die Konkurrenz unsere Ideen klaut!

Kommunikation mit Nutzern, Kunden und Interessenten ist unser Kapital! Das müssen wir vor unseren Konkurrenten verstecken! Es lässt sich kaum verhindern, dass die Konkurrenz in ihrem Netzwerk mithört und -liest. Außer Sie kennen jeden Nutzer persönlich. Natürlich sind die Ideen und Hinweise bares Geld wert. Doch was kann die Konkurrenz damit anfangen? Das wirkliche Kapital liegt im Dialog verborgen. Es hängt davon ab, was Ihr Unternehmen daraus macht.

Sechs beliebte Horrortheorien über Social Media


Freitag, November 26th, 2010, 13:57


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Über den Autor: Birger Hartung

*1973, Vater von zwei Kindern, meine Frau ist Physiotherapeutin. Media Activist + Explorator