30
2011
Mit iPhones bekommt man keine echten Fans
Alles total einfach! Schnell mal ein paar iPhones kaufen und dann einfach auf der Fanpage verlosen. Schon funktioniert dieses Social Media Dingens doch, oder etwa nicht?
Ich kann es ehrlich gesagt schon lange nicht mehr sehen. Fast täglich wird irgendeine Fanpage gestartet und zum Start gibts dann ausnahmsweise mal wieder ein iPhone zu gewinnen. Wenn die Macher vielleicht einen besonders kreativen Moment hatten, wird sogar ein iPad verlost. Um teilzunehmen und eventuell gewinnen zu können, braucht man nur noch Fan werden oder sich in einen Newsletter eintragen. Das Ergebnis ist dann oft auch wohl das was sich die kreativen Köpfe erhofft haben. Jede Menge Fans werden generiert und die Fanpage explodiert förmlich.
Aus der Sicht des Online Marketers könnte das sogar noch positiv sein, schließlich könnte der eine oder andere Artikel, Link o.ä. dabei abfallen. Die Rechnung kommt dann meist erst nach Beendigung der Aktion. Hier sind die meisten schon froh, wenn sie ihre Fans überhaupt halten können. Wertvoller Content oder gar Kommunikation wird nämlich in den wenigsten Fällen geliefert. Wer macht eigentlich so einen Blödsinn?
Fanpages oft ohne Mehrwert
Genau die sollte vielleicht mal in Betracht gezogen werden. Macht sich eigentlich niemand dieser Betreiber der Fanpages darüber Gedanken? Ist die Nummer mit der Anzahl an Fans vielleicht genau der gleiche Schwanzvergleich wie der mit dem Pagerank? Ok, es ist für einen Betreiber eines Onlineshops nicht ganz so einfach die Fans sinnvoll zu unterhalten, da braucht man schon einen richtig kreativen Ansatz. Wenn man aber schon nichts Interessantes zu erzählen hat, dann muss man wohl den Weg gehen, den sich die Fans wünschen. Sie wollen Give Aways, Preisnachlässe und Sonderangebote! Diese dann natürlich auch ich echt, also nicht irgend etwas mit 5 % und jeder Nicht-Fan kann sich die auch abholen. So veräppelt man nämlich seine Fans, denn die fragen sich zu recht warum sie überhaupt noch Fan bleiben sollten.
Echte Fans braucht man nicht locken
Eine Band hat es auf Facebook da natürlich deutlich einfacher. Hier bekommt das Wort “Fan” nämlich die Bedeutung die es verdient hat. Fan einer Rockband wird man nämlich meist indem man sie bei Facebook sucht, weil man deren Musik mag. Hier ist der Fan der aktive Teil und sucht sich die Fanpage seiner Band. Die Gründe hier für sind sicherlich allen bekannt. Man identifiziert sich mit der Musik, sie begleitet einen durch den Tag, durch gute und schlechte Momente. Wir verbinden etwas mit dieser Musik, sie ruft Gefühle in uns vor. Die Fans solcher Fanpages machen allerdings noch viel mehr. Sie informieren sich über neue Alben, warten auf die nächsten Gigs, suchen Merchandising Artikel und freuen sich über jede Neuigkeit des Musikers. Das sind eben echte Fans, die den Namen verdient haben und bei solchen spielt auch die Anzahl keine Rolle mehr.
Ein Onlineshop kann das kaum erreichen, oder verbindet Ihr irgend etwas emotionales mit einem Toaster? Wenn Musik aber Emotionen weckt und in der Werbung immer erfolgreich eingesetzt wird, warum findet das dann nicht auf den Fanpages statt? Natürlich gibt es auch positive Beispiele in denen tatsächlich Emotionen geweckt wurden und sie funktionieren. Wer hätte das gedacht? Ok, wenn Pril & Co. dann jetzt auch noch auf alles vorbereitet gewesen wäre, dann hätten sie auch noch richtig Spaß gehabt, aber das ist dann noch ein anderes Thema.
Echte Fans sind mehr wert
Fans bei kommerziell orientierten Fanpages sollten nicht anders angesehen werden, als die von Musik Fanpages. Beide Betreiber wollen nämlich Geld verdienen. Der Unterschied liegt hier nur bei der Überzeugung des Betreibers. Musik macht man im besten Falle aus Leidenschaft und Überzeugung. Einen Onlineshop betreiben die meisten eher weniger aus diesen Beweggründen. Genau das merkt auch der Fan und er lässt sich auch nicht durch ein paar Prozente bestechen.
Zahlen haben den Nachteil Vorteil, dass sie mit Argumenten schwer zu entkräften sind. Ein echter Fan ist mit Sicherheit viel mehr wert als 136,38 Dollar, wie diese Studie herausgefunden hat. Die Frage ist halt nur auf welche man den größten Wert legt. Die Anzahl der Fans ist dabei genauso wichtig wie ein Spatz in der Hand. Guckt man sich die Aktivitäten dieser Fans an, dann schlägt der Online Marketer die Hände über dem Kopf zusammen. Hier können wir nämlich über Conversionsraten sprechen, also das was als Reaktion der eigenen Aktion überhaupt stattfindet. Wer seine Fans wirklich kennt und entsprechend betreut, der wird auch erfolgreich sein, denn dann bekommt er das, was ein Fan verdient. Eine ordentliche Betreuung auf Augenhöhe und die weckt sogar Emotionen.
Mit iPhones bekommt man keine echten Fans
Dienstag, August 30th, 2011, 11:45Ähnliche Artikel
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Ein Artikel von







Solange ich kampagnenorientiertes “Social Media” mache, wird mir ein echter Fan als auch die Konversion am Hintern vorbeigehen. Das ist eben (noch) so. Viele wollen eben nur Kampagnen, weil sie für mehr gar nicht in der Lage sind.
Danke für deine Worte, Stefan.
Ich verstehe natürlich was du meinst Kai. Wer einfach mal eine Kampagne raushaut, dem ist alles andere sicherlich egal. Das ist vielleicht sogar für den einen oder anderen Zweck sinnvoll.
Danke für den Text, der spricht mir aus dem Herzen.
Aber der Social Media Industrie wird an vielen Stellen genau mit diesen Zahlen gemessen: Fans, registrierte Nutzer, Views, etc. alles Indikatoren für den ‘Wert’ eines Angebotes. Die Aktivität des Einzelnen kommt bei vielen erst an zweiter oder dritter Stelle. Und solange die Agenturen, die diese Kampagnen durchführen den Erfolg der Kampagne in der Anzahl der gewonnenen Fans messen und der Kunde (der Betreiber der Fanpage) das so hinnimmt, wird das auch so bleiben.
Wäre mal einen Versuch wert, eine Agentur für eine Kampagne zu suchen, die nach Aktivität der Fans gemessen wird – denn nichtmal die Anzahl der nach Zeitraum x noch vorhandenen Fans ist wirklich aussagekräftig: viele Fans bleiben ja, wenn die Fanpage inaktiv ist und nicht nervt, nimmt man sie einfach gar nicht mehr wahr.
Viele Grüße,
Susanna
Stimmt natürlich Susanna. Ausnahmen bestätigen aber wie immer die Regel. Es gibt tatsächlich da draußen ein paar wenige Kunden, die Aktivität richtig einschätzen. Wann es dann zu einer Einsicht bei der Masse kommt bleibt fraglich.
Hallo Stefan, vielen Dank für diesen Text. Zum Glück wird meine Arbeit an den absoluten Zahlen gemessen. Auf dem Barcamp Hannover hat meine Session mit Social Media Marketing Best Practice für einige Verwirrung gesorgt. Ja, wir sind in 2011. Und wir kratzen noch an der Oberfläche.
Hallo Stefan,
ich sehe es genauso. Fans werden nicht wie Fans behandelt und ich finde deinen Vergleich mit Musikfans hervorragend. Wobei ich auch erwaehnen moechte, dass diese manchmal auch ein wenig Stiefmuetterlich behandelt werden.
Es ist wirklich so einfach fuer Firmen kleine Give aways zu versenden/ zu verschenken, diese Kosten nicht die Welt aber fuer einen Fan ist es die Welt und das aller wichtigste beide Seiten sind gluecklich.
Claudia
[...] Fans sind zwar keine Links, aber trotzdem ganz schön und belebend. Ein Artikel dazu, warum echte Fans besser als gekaufte sind. [...]